Feuchtigkeit, Dämmung und zweischaliges
Mauerwerk
Zweischaliges Mauerwerk der nachfolgenden
Beschreibung ist vornehmlich an Gebäuden der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts zu finden, am häufigsten in den Jahren
zwischen 1920 bis 1950.
Heute besteht oft der Wunsch derartiges Mauerwerk aus
energetischen Gründen mit Dämmmaterialien zu ertüchtigen.
Der
Wandaufbau ist
zunächst relativ einfach, genauer betrachtet allerdings von
komplexen Wechselwirkungen geprägt. Die Außenschale besteht
zumeist aus verputztem oder unverputztem Ziegelmauerwerk in
unterschiedlichen Schichtdicken. Nach Innen folgt eine etwa
5 bis 8 cm starke Luftschicht, dann eine Innenschale aus
Bims- oder Gasbetonmauerwerk oder ähnlichem.
Am Mauerfuß über dem Sockel sind häufig Lüftungsöffnungenzu
finden. Oft sind kleine Gitter, offene Fugen oder auch
einfach fehlende halbe Steine auszumachen. Manche Schalen
wurden auch über Öffnungen im Keller hin zur Schale
belüftet.
Die häufig auch nur eingeschossig ausgeführten Schalen
besitzen/besaßen auch zum Teil kaminähnliche
Lüftungsöffnungen in den Dachraum oder auch darüber hinaus.
Leider wurden die Öffnungen oft zugemauert.
Beide Schalen übernehmen oft tragende Funktionen und sind
durch Metallanker oder Verbindungssteine miteinander
verbunden.
Zur
Systematik und damit Problematik der Schalen:
Durch das Bewohnen, das
Schlafen, das Kochen usw. entsteht in den Wohnräumen
Feuchte, die aus den Räumen abgeführt werden muss.
Die grobporige Innenschale lässt die raumseitig auftretende
Feuchte in die Luftschicht diffundieren, schlägt sich (im
Winter) an der Außenschale nieder und wird durch daran
entlang streichende Luft abgeführt. Im Sommer wird die
vorgesetzte Schale aufgeheizt und befördert so durch
thermisch bedingt erhöhte Luftbewegungen die Feuchtigkeit.
Soweit ein gutes System, wenn die Öffnungen noch vorhanden
sind. Negativ jedoch, dass eben im Winter durch die
Öffnungen zwar trockene, aber eben kalte Luft durch die
Schalen geführt wird und im Sommer aber warme und auch
feuchte Luft. Also
immer das, was man gerade nicht gebrauchen kann ...
Nachträgliches Dämmen:
Wenn nun die
Außenschale von außen gedämmt wird führt das zu folgenden
Szenarien:
- im Winter wird die kalte Luft noch immer hinter die
Dämmung an die Innenschale geführt ... also so ausgeführt
eine sinnlose Maßnahme.
- im Sommer wird kein Aufheizen der Außenschale mehr
erreicht, was zu einer verminderten Abfuhr der Feuchtigkeit
führen kann, also feuchte Schale und feuchter Mauerfuß.
Werden die Öffnungen verschlossen kann die Feuchte nicht
mehr abgeführt werden. Feuchtigkeit sammelt sich an Wand
und Fußpunkt, Putzschäden und Schimmel können auftreten,
auch die Metallanker die Außen- und Innenschale miteinander
verbinden können rosten.
Kerndämmung: Reinschütten oder auch ausblasen: Es
funktioniert einfach nicht so wie gedacht.
Davon ausgehend, dass die 5-8 cm - durch Mörtelreste oft
eingeengte Luftschicht - homogen, ohne Luftlöcher
ausgebildet zu haben im gesamten Wandbereich bis unter das
Dach gleichförmig vorhanden ist:
Wohin geht nun die Raumfeuchte? Zunächst wie gehabt durch
die Innenschale, dann in die Dämmung. Je nach Material kann
die Dämmung die Feuchtigkeit halten oder aber sie kann es
nicht (hydrophob), dann ist mit erhöhtem Feuchteeintrag im
Fußpunkt zu rechnen und wenn sie Feuchtigkeit aufnehmen
kann in der ganzen Wand.
Feuchte, nasse Dämmung dämmt nicht. Erschwerend kommt die
Schwere des Materials hinzu, dass in sich zusammensacken
kann und zu feuchteren Bereichen am Fußpunkt und kälteren
Bereichen am Kopfpunkt der Dämmung führt.
Dann sind da noch die Metallanker. Statt luftumspült
zwischen den Schalen zu sitzen verbringen diese nun ihre
Zeit in feuchter Dämmung eingepackt. Und feucht werden
gerade diese allemal, denn die Raumfeuchte sitzt bereits in
der ehemalige Luftschicht. Durch die Temperaturschwankungen
der Außenschale kühlen sich die Anker ab und es wird sich
Kondensfeuchte gerade im Ankerbereich sammeln und nun durch
die Dämmung gerade dort gehalten. Korrosion droht.
Erst wenn sich genug Feuchte im Fußbereich der Schicht
gesammelt hat ist mit einem kapillaren Abtransport in bis
dato trocknere Bereichen zu rechnen.
