Hydrophobierung

Begriff, Material und Wirkung:
Unter einer Hydrophobierung von Baustoffen ist eine Imprägnierung eines offenporigen, kapillarfähigen Materials wie Putz, Mörtel und Mauerwerk zu verstehen.
Ganz wichtig: In fast allen Anwendungstechniken und -arten durchdringen die Mittel zur Hydrophobierung das Bauteil nicht in Gänze. Unterschiedlich poröse Schichten (z. B.: Mauerwerk => Mörtel => Mauerwerk) können das Eindringen des Materials oder dessen Verteilung im Bauteil abschwächen oder unterbrechen.

Materialien zur Hydrophobierung werden von den meisten Herstellern aus Silikonharzen oder Siloxanen angeboten, normalerweise in gelöster Form in organischen Lösungsmitteln als Trägermaterial, wie z. B. Paraffinen. Durch den Einsatz dieser mittel sollen die Poren des Gesteins beschichtet und nicht verschlossen werden, sodann die Aufnahmefähigkeit von Wasser vermindert und die Diffusionsfähigkeit nur mäßig beeinträchtigt wird. Diese mäßige Beeinträchtigung kann allerdings bereits zu Beeinträchtigungen führen (siehe Punkt Probleme)Als abschließende Beschichtungen werden üblicherweise Silikatfarben verwendet.

Hydrophobierte Flächen lassen Regenwasser abperlen und behindern bedingt das Diffusionsverhalten von Wänden. Dies gilt nicht generell, die Behinderung ist materialabhängig. Folgeschluss ist, dass nicht jedes Mittel zur Hydrophobierung für jedes Material geeignet sein wird. Sehr feinporige Materialien beispielsweise können auch nur das Transport-/Trägermaterial aufnehmen und der Wirkstoff verbleibt an der Oberfläche, wo dieser einer vorzeitigen Ab- / Auswaschung ausgesetzt ist..

Betrachtung:
Auf dem lukrativen Markt der Hydrophobierung werden hauptsächlich Injektionen (heiß, unter Druck, drucklos, ...) oder Flächenhydrophobierungen (mit dann wasserabperlender Wirkung) durch einen Materialschleier angeboten. Haltbarkeiten und Garantien der Hersteller werden über lange Zeiträume angegeben, auf beregneten Flächen erweisen sich kürzere Haltbarkeiten. Auch exotische Varianten wie das Unterstromsetzen, Bestrahlung, Elektroimpulse, das Umleiten von Erdstrahlen oder auch das Edelsteineindengebäudeeckenvergraben sind auf dem Markt zu finden. Man ahnt bereits, dass immer viel Angst, Glaube, Unkenntnis und Überzeugungskraft zum Erfolg des Hydrophobierers führen.

Eine Hydrophobierung kann in gewissen Einsatzbereichen zum Erfolg führen, sollte aber – wegen Faktoren wie z. B. Salzbelastung des Mauerwerks – nicht als generelle Lösung eines Feuchtproblemes in Betracht gezogen werden. Jeder Hydrophobierung muss eine sehr genaue Betrachtung des Einzelfalles voran gehen, denn im Regelfalle ist eine Hydrophobierung nicht mehr reversibel und Schäden – z. B. durch Schalenbildung – können empfindliche Kosten aufwerfen.

Hydrophobierten, verputzten Fassaden wird oft ein selbstreinigender Effekt zu gesprochen, da das abperlende Wasser den Schmutz mit abwaschen soll. Behandelte Bauteile sollen gegen Schlagregen, Spritz- und Tauwasser geschützt sein.
Bei groben Fassadenstrukturen ist dieser Effekt nur vermindert bis gar nicht feststellbar, da die in der Anfangszeit noch abperlenden Wassertropfen den Schmutz zwar binden, dann aber „abperlend“ auf Putzerhabenheiten verbleiben können. Nach der Verdunstung der Regentropfen verbleibt der Schmutz auf der Fassade und kann im negativen Falle auch bereits Grundlagen für Algenbewuchs darstellen.

Hydrophobierung und Probleme:
- Natursteinwände aus geschlossenporigen Materialien sind nicht zufriedenstellend zu hydrophobieren; viele Gesteinsarten sind gar nicht erst in der Lage das Trägermaterial und somit den Wirkstoff aufzunehmen.
- Ziegelwände, aber auch Natursteinwände die als Stallungen benutzt wurden enthalten oft
Salze, die während des Kapillartransportes des Wassers an die Oberfläche geführt werden und dort ausblühen. Wird nun der Kapillartransport durch die Hydrophobierung unterbrochen kristallisieren dies Salze nun im Stein in der Wechselzone von hydrophobierter zu nichthydrophobierter Schicht aus, da das Wasser hier ausdifundiert. Schon bei kleinsten Wasser- und Salzmengen, z. B. resultierend aus zu hoher Luftfeuchtigkeit, kann dies stattfinden.
Es findet eine so genannte Schalenbildung, eine Abplatzung durch den Kristallisationsdruck der Salze im Steininneren statt. Besonders anfällig sind hier Putze, Tuffe, Kalk-, Sand- aber auch Backsteine.
- Um zuvor beschriebene Schalenbildung zu vermeiden muss also sicher gestellt sein, dass selbst unter extremen Bedingungen (Feuchte und Temperatur) zu keinem Zeitpunkt Wasserdampf im Bauteil kondensieren kann
- Hydrophobierte Flächen ermöglichen ein nun weiteres Eindringen von Sauerstoff in das behandelte Bauteil, was die Carbonatisierung von Beton und die Korrosion der Stahlbewehrungen zur Folge haben kann.
- Spätere Beschädigungen an der hydrophobierten Schicht können Wasser hinter diese führen und zur genannten Schalenbildung – in diesem Falle beispielsweise durch Frostschäden – führen
- Das Aufbringen einer Hydrophobierung auf einer hinterfeuchteten Wand wird beispielsweise das Problem eines Schimmelbefalls nicht lösen, sondern kann dies sogar noch verstärken. Das Problem liegt hier im Stein, da das nun nicht mehr kapillar abtransportierte Wasser in den hydrophobierten Poren des Steines ausdiffundieren muss. Dieser Prozess nimmt mehr Zeit in Anspruch als ein kapillarer Transport, weshalb es zu einem Feuchtestau an der „Grenze“ zur hydrophobierten Schicht kommen kann. Ein ähnlicher Effekt kann bei einer dichtenden Farbe auf der Außenwand zu tage treten.

Man sollte sich immer vor Augen halten, dass der größte Teil der Feuchtigkeit in einem unbeschädigten Haus mit all seinen Bauteilen – auch den Außenwänden – vom Bewohner ausgeht und nicht vom oft beschuldigten Regenwasser auf den Fassaden oder gar einer „aufsteigenden Feuchte“.
Es will wohl überlegt sein, was man sich in oder an seine Wände injizieren oder auftragen lässt, denn meistens ist der Urzustand nicht wieder herzustellen.

Ein Hersteller eines Hydrophobierungsproduktes schreibt wahrheitsgemäß in einem Technischen Merkblatt: "Es muss gewährleistet sein, dass Wasser und darin gelöste Schadsalze nicht hinter die hydrophobierte Zone gelangen können."